Mein Leben und ich - wie erlebt, so geschrieben
[23.02.2009] Examen in Mathe - äh - Sport, oder doch...?Osnabrück.
Ich schreibe Examen. In MATHE. Ich habe den großen Zitter, kurz vorm Nervenzusammenbruch. Deshalb bin ich auch sehr pünktlich.
Es ist 7.45 Uhr. Ich stolpere in den Prüfungsraum und stelle geschockt fest, dass die anderen dort alle ein Lexikon haben. Ich nicht. Ich habe nur meinen Taschenrechner. Vorsichtiges Nachfragen ergibt: Alles ok, mehrere Studiengänge schreiben zusammen. Gut.
7.55 Uhr: Ich habe mich - so gut es an den kleinen Klapptischen geht - häuslich eingerichtet (und immer noch Zitter).
7.56: Ich überlege, wann die Aufseher vom Landesamt mit unseren Examensarbeiten eintrudeln, und wie sie es schaffen wollen, um 8.00 anzufangen.
7.57: Die Damen und Herren kommen hereingehetzt - wir seien alle im falschen Raum, alle rüber in die "Reithalle" (ein halber Kilometer entfernt). Ich komme mir eher vor wie im falsche Film. Klamotten zusammengerauft, und los, immer der Meute nach.
8.10 Uhr: Ich sitze im absolut stickigen, miefigen Hörsaal und frage mich, ob ich in diesem Leben noch jemals die drohenden Kopfschmerzen loswerden würde. Die Namen werden vorgelesen, um zu prüfen, ob auch alle da sind. Auf etwa der Hälfte: Ohrenbetäubendes Handygeklirre. Chefprüfers Typ wird verlangt: "Ja, Oh... Ach so --- Ja ..."
8.15 Uhr: Wir sind wieder auf dem Weg zurück zum ursprünglichen Raum - sie hatten sich geirrt. GEIRRT. Ich weiß nicht, ob ich mich dem drohenden Nervenzusammenbruch hingeben soll, oder einfach nur laufen. Ich entscheide mich für Zweiteres und hake vor meinem geistigen Auge den Punkt "Fitnesstraining" auf meiner to-do-Liste für diese Woche ab. Gut, dass ich mich morgens für die legeren Turnschuhe entschieden hatte.
8.30 Uhr: Ich gehe als absoluter Gewinner aus dem Raummarathon hervor: Statt eines kleinen, wackeligen, rückenschmerzengarantierenden Klapptisches an einem ebensolchen Stuhl habe ich einen der wenigen begehrten ECHTEN Tische ergattert. Ich warte mit dem Ausräumen meiner Habseligkeiten - man kann ja nie wissen...
8.35 Uhr: Ich erhalte mein Aufgabenblatt - das Schicksal nimmt seinen Lauf.
[21.05.2007] Von der Freundlichkeit im Dienst
Wallenhorst.
Ich fahre auf der L 78 von Engter Richtung Wallenhorst. An der T-Kreuzung ordne ich mich zum Abbiegen rechts ein. Von links kommt mit einiger Entfernung ein Auto mit Pferdeanhänger. Er blinkt, ich kann also vor ihm auf die Straße fahren. Stop! Zwei Fußgänger überqueren die Fahrbahn. Das hat der Fahrer hinter mir nicht mitbekommen. Er gibt Gas.
Mein Frosch macht einen kleinen Hüpfer, um seinen Unwillen auszudrücken, als sich die Nase des anderen Fahrzeuges in sein Hinterteil bohrt. Ich steige aus. Der andere Fahrer auch. "Dumm gelaufen" - da sind wir uns einig. Er ruft bei der Polizei an. Nach einiger Zeit kommt der Streifenwagen.
Die beiden Beamten steigen aus. Als allererstes können wir uns anhören, dass wir beide doch wohl erwachsene Menschen seien und sowas ja wohl auch ohne Polizei hätten regeln können. "Sowas" finde ich gar nicht so lustig - mein Auto hat immerhin nicht nur einen Kratzer, sondern ist auf der linken Seite richtig schön zusammengeschoben. Ein Todesurteil, fürchte ich.
Statt mich nun also zu trösten (verdammt - ich hab auch ne Seele!),schimpfen sie uns aus wie zwei kleine Kinder, die sich um ein Sandförmchen streiten (dabei haben wir uns nicht einmal gestritten - ich fand den Herren sogar äußerst sympathisch *g*). Wie ein kleiner Jungen wird er im Folgenden auch noch aufgeklärt: "Die Sachlage ist ja wohl eindeutig - Sie sind da hinten drauf gefahren und haben einen Schaden verursacht. Und wer einen Schaden verursacht, muss nun einmal dafür aufkommen."
*Augenroll* DAS hat er ja auch nie angezweifelt. Aber bei einem zu befürchtenden Totalschaden ist es ja nun einmal so, dass JEDER Rechtsanwalt empfiehlt, vorsichtshalber die Polizei zu rufen. WIR beide dürfen das in Zukunft nicht mehr. Denn - so der freundliche Polizist: "Beim nächsten Mal können Sie das auch alleine regeln!". Aha.
Ich frage mich schon, warum ich immer nur mit DIESER Sorte zu tun habe... Denn es soll ja auch durchaus nette Exemplare geben (in Bramsche zumindest). Er nimmt den Unfall auf. Der Kollege setzt sich derweil in den Streifenwagen. Der Erste trägt die geschätzte Schadenshöhe ein. Bei dem "Unfallgegner": 500 €. Bei mir: 1000 €. Ich weiß nicht, ob ich jetzt lachen oder schreien soll. Ich zweifele allmählich am Verstand. Hat er wirklich "1000 €" geschrieben? Ich sehe zu meinem Auto. Der Kofferraum lässt sich nicht mehr öffnen, die Fahrertür schließt nicht mehr richtig - und der Kotflügel ist geknickt. Ich möchte die Werkstatt kennenlernen, die DAS für 1000 Eu hinbekommt. Ich werde neugierig und schöpfe Hoffnung. Mein Auto muss nun irgendwie zur Werkstatt kommen. Etwa 3 Kilometer, Autohaus Lienesch in Lechtingen (absolut zu empfehlen - der Service da ist wirklich ne Wucht!).
Mich beschleicht ein ungutes Gefühl. Ich sehe den Polizisten an, der uns ausgeschimpft hat. Was geht hinter dieser Stirn vor sich? "Kann ich mit dem Auto denn jetzt noch zur Werkstatt fahren?" frage ich vorsichtig nach. Der Polizist schaut mich herablassend an. Allmählich kocht es in mir. "DAS sollten sie als Fahrzeugführer selbst entscheiden können." Ich lächle ihn an und freue mich derweil, dass man meinem Gesicht nicht ansehen kann, was ich gerade denke.
"ICH frage jetzt aber SIE, ob SIE mich - wenn ich gleich einsteige und losfahre - anhalten und wegen Verkehrsgefährdung drankriegen!" Er stutzt. Entweder ist er auf diesen Gedanken noch gar nicht gekommen, oder ich habe ihn ertappt. "Da ist ja nichts, ist ja nur die Stoßstange." Ich blicke - allmählich in starkem Zweifel an den geistigen Kräften - zu meinem demolierten Auto. Er verfolgt meinen Blick. Unsicherer: "Die Delle in der Seite war doch schon vorher?" Jetzt muss ich lachen. Nein, die ist nagelneu. *kreisch*
"Ich kann Ihnen jetzt nicht sagen, dass sie damit fahren können, denn wenn Sie jetzt losfahren und auf der nächsten Kreuzung einen Unfall bauen, weil er Ihnen auseinanderfällt, können Sie sich nicht auf mich berufen." Ich strahle ihn an.
Mein Unfallgegner soll 35 € Bußgeld zahlen. Vorsichtig - um nicht noch mehr Zorn des "Gerechten" auf sich zu ziehen - fragt er nach, ob er mit Karte zahlen könne. Ich beiße schon die Zähne aufeinander. Möööp - falsche Frage! Passende Antwort des überaus freundlichen Menschen: "Na, wenn wir so weit auch schon wären... "
Wieder in dem "Ich-erkläre-einem-begriffsstutzigen-Kleinkind-die-einfachsten-Dinge-Ton": "Hören Sie, Sie wohnen ja hier in Wallenhorst. Da haben Sie es doch wohl wirklich nicht weit und können nach Hause fahren und das Geld holen." Ich verstehe ihn so, dass er an der Unfallstelle warten wolle, während der arme Sünder das Geld holt, um seine Buße zu zahlen. Ich wundere mich. Er auch. Er setzt an: "Hier..." Der Beamte (offensichtlich genervt): "Zur Polizeiwache hier in Wallenhorst." Wir waren entlassen.
Auf dem Weg zu meinem vielleicht - vielleicht aber auch nicht - fahrtüchtigen Auto philosophiere ich darüber, was man wohl erlebt haben muss, um SO zu werden ...? Ich weiß nicht was, aber er tut mir unheimlich Leid dafür.
(Nachtrag, 22.05.2007): Heute (22.05.07) wurde das Todesurteil über den Grünling gesprochen. "1000 Euro" sind eben sehr dehnbar - der Gutachter brachte sie auf sage und schreibe 6800 Euro - und mein armes Auto somit auf einen "Wirtschaftlichen Totalschaden".
[09/10.03.2007] Die Polizei - Dein Freund und Helfer
Osnabrück.
Ich fahre aus Richtung Stadt auf den Fürstenauer Weg Richtung Hydepark (meine Stammdisco). Eine lange, gerade Strecke mit nur einer einzigen Ampel - dummerweise auf ganzer Länge begrenzt auf 50. Ich stehe an der roten Ampel. Von hinten kommt ein Bulli und fährt mir so dicht hinten drauf, dass ich drüber nachdenke, mir das Nummerschild zu notieren und ihn wegen sexueller Nötigung dran zu bekommen.
Grün. Ich fahre los. Er auch. Immer noch dicht drauf. Ich beschleunige auf gemütliche Normalgeschwindigkeit. Er klebt. Ich bin leicht genervt - sowas mag ich nicht. Also: Fuß vom Gas und warten, was passiert. Tachostand: 55. Plötzlich: Lichthupe. Er sitzt so dicht hinten drauf, dass ich außer den Scheinwerfern nichts vom Fahrzeug sehe. Mir schießen unflätige Ausdrücke durch den Kopf. Tachostand: 50. Der wird auch bei weiteren Bedrängungsversuchen (Lichthupe wird mehrmals betätigt) gehalten. Ich grins mir einen. Allmählich macht das Spaß. Der scheint sich wirklich über mich zu ärgern. Warum der Vollidiot dann wohl nicht einfach überholt? Es kommt kein Gegenverkehr, und die Straße ist zweispurig. Aus dem Rückspiegel kommt mir Strobo-ähnliches Licht entgegen. Ist der doooof - muss doch allmählich merken, dass ich eher langsamer als schneller werde. Plötzlich: Zu dem Strobo gesellt sich blaues Flackern. Aha. Der Freund und Helfer. Ich bin gnädig und fahre rechts ran, während ich mich frage, ob das Absicht war, oder ob die nur etwas [zensiert] waren. Hätten die sich doch wohl denken können, dass ich im Rückspiegel nichts von ihrem schönen Polizei-Auto erkennen kann, wenn der ca. 2 Meter hohe Bulli meine kleine Knutschkugel von Micra schon fast anschiebt... Außerdem: Ist das nicht normalerweise so, dass die überholen und ihr "Bitte-Folgen-Schildchen" aufleuchten lassen?
Ich stehe nun also auf dem Seitenstreifen, als ein noch recht grün wirkender Schönling in schmucker neonfarbener Weste an meine Tür kommt. Ich mache ihm freundlich auf. Und schon geht´s los: Haben sie was getrunken? Nein, ich habe nichts getrunken - sage ich ihm auch. Er glaubt mir, wenn ich seine Gestik und Mimik recht interpretiere, nicht für fünf Pfennig. Kein Wunder. Mit im Auto sitzen auch Kevin und Sarah, die schon recht ordentlich dem guten Herrn Beam zugesprochen haben. Mein Auto muss riechen, als hätte jemand ne Flasche Whisky ausgeschüttet. Ich nehme ihm daher sein Misstrauen mir gegenüber nicht übel und folge ihm auch freundlicherweise zwecks Alkoholkontrolle zum Bulli, nachdem er bei einem Blick in meinen Führerschein entsetzt festgestellt hat, dass ich ja gar nicht von zu Hause aus käme...
Kaum sind wir unter uns, fragt er "Und - schon mal aufgefallen?" - Mein Gott - was gibt es für dämliche Anmach-Sprüche, denke ich mir noch und schon ist es heraus: "SIE? MIR? Neeeeee."
Er wirkt etwas pikiert. In sachlichem Ton: "Ob SIE schon einmal bei der Polizei auffällig geworden sind!" - "ICH? IHNEN? Nö, ich hoffe nicht."
Ich hangele mich geschickt zwischen seeähnlicher Pfütze und geöffneter Beifahrertür der Minna durch, wo der nicht minder grün wirkende Kollege (allerdings eher Milchbubi als Schönling) mich mehr oder weniger, aber eher mehr als weniger, entsetzt anschaut.
Fassungslos: Wo wollen Sie denn SO hin? Ich antworte wahrheitsgemäß, dass der Hydepark mein Ziel ist. (Später haben mich Freunde darauf hingewiesen, dass es wesentlich lustiger gewesen wäre, wenn ich gesagt hätte "Zur Arbeit" oder "ins Studio"... Egal. Mach ich beim nächsten Mal.)
Er hält mir den Alko-Tester hin und fragt, ob ich wisse, wie das geht. Ich antworte wieder ehrlich, dass ich vollkommen unerfahren bin und dass es mein erstes Mal ist. "Da rein blasen bis ich stop sage". Hm. Na gut - ich bin ja kein Spielverderber. Also: Tiiiiief Luft holen...
Der Inhalt meiner Lunge entweicht. Ich schiele zum Freund und Helfer. Er wirkt etwas abwesend. Ich habe das Gefühl, schon kurz vor der Ohnmacht zu stehen, meine Lunge beginnt zu krampfen. Mit einer wedelnden Handbewegung reiße ich ihn in die Realität zurück. Stop.
Endlich. Er schaut einige Zeit auf die Anzeige, dann ungläubig (es könnte auch eine Spur von Enttäuschung in dem Blick gelegen haben) zu mir rüber - wieder auf die Anzeige - und dreht das Display schließlich in das Gesichtfeld von seinem Kollegen und mir. 0,0.
"Ja - so soll das sein" versucht er sein Erstaunen (oder seine Enttäuschung) zu vertuschen. Aber der Kollege hat noch ein Ass im Ärmel: Schauen Sie mir mal über die Schulter. Mach ich doch glatt. Er fuchtelt mit seiner Latüchte vor meinem Gesicht herum. Keine Drogen.
Man wünscht mir noch einen schönen Abend. Nett. "Danke, den werde ich haben. Ihnen auch noch viel Vergnügen!"
Ich bastele meine ganzen Papiere wieder in die dafür vorgesehenen Taschen. Sie fahren weiter. Mein Warndreieck, Erste-Hilfe-Kasten und Sicherheitsweste wollten sie gar nicht sehen. Anscheinend konnte ich sie durch meine wahrlich engelsgleiche Art doch überzeugen, dass ich absolut vorschriftsgemäß unterwegs bin.
Im Hydepark.
Ich stelle fest, dass ich die Hälfte meiner Sachen im Auto vergessen habe und gehe nach ca. zehn Minuten noch mal nach draußen.
Mein Auto steht auf der Rückseite der Disco. Ich springe zwischen den Pfützen her. Ein Auto nähert sich hinter der Ecke. Scheinbar irgend ein Irrer, der nicht auf die Idee kommt, dass hier auch mal Besoffene mitten auf dem Parkplatz stehen. Ich gehe vorsichtshalber schon einen Schritt zur Seite, um nicht geduscht zu werden. Und siehe da: Meine Freunde und Helfer. Meinen netten Gruß erwidern sie nicht einmal. Arrogante Ignoranten.